Wissenschaft kann alles


Nachdem ich in letzter Zeit, unterwegs, im Liegestuhl oder auch mal auf dem Sofa, mehrere Vorlesungsreihen der Teaching Company durchgehört und gesehen habe, möchte ich, dass es sowas auch auf Deutsch gibt. Natürlich kostenfrei. Denn bezahlt werden unsere Wissenschaftler ja schon vom Staat, weshalb sich eigentlich keine private Firma in dieser Form an Ihnen bereichern sollte, vor allem aber nicht, weil deutlich weniger Leute dafür bezahlten, als es vermutlich gerne nutzen würden.
Die Bundeszentrale für politische Bildung könnte die Organisation doch übernehmen, die gibt es ja schon.
Ich nehme auch gerne allgemeinverständliche Vorlesungsreihen im ö/r-Sparten-Fernsehen, Platz und Zeit genug gibt es ja, und kosten kann Programm eigentlich nicht weniger, doch bisher gibt es immer nur den netten Prof. Lesch, der aber nur über Astronomie redet, und das auch noch sehr spät. Ihr habt doch einen Bildungsauftrag.

In diesem Zusammenhang muss ich auch sagen, dass mir auf paradoxe Weise die Urheberrechtsnovelle gefällt, denn sie wird die Wissenschaft letztlich zwingen ihre Publikationsweisen mehr und mehr auf Open Access umzustellen, wovon wirklich alle, außer den Fachverlagen, die oft nichts weiter machen als drucken und verschicken, profitieren würden. Es steht am Ende des Spiegel-Artikels über die Kosten wissenschaftlicher Publikationen, dass Open Access ja eine feine Sache wäre, aber manche darauf angewiesen sind in Zeitschriften wie “Nature” oder “Science” zu publizieren. Das höre ich auch nicht zum ersten mal. Doch erstens ist es eine große Ehre in einer dieser Zeitschriften publizieren zu dürfen, und keine Pflichtaufgabe und zweitens wäre es wohl wirklich kein Problem nur eben diese zwei zu abbonieren. Ich könnte mir das leisten. Das Problem sind die aberwitzig teuren wissenschaftlichen Spezialzeitschriften. Und selbst wenn man noch auf bestimmte Publikationsformen angwiesen sein sollte, wer außer den Wissenschaftlern selber könnte dies ändern?

Stefan Klein äußert heute in der FAZ Bedenken, dass sich, je mehr die Wissenschaft, und gemeint ist hier vorrangig die Naturwissenschaft, in ihrer lingua franca, dem Englischen, stattfindet, die Kommunikation mit dem Rest der Bevölkerung über das, was da überhaupt geschieht, mehr und mehr verliert. Besonders, so meint er, wenn die Wissenschaft irgendwann nicht mal mehr muttersprachliche Fachtermini entwickelt.

“… wie wollen sie Verständnis in einer Gesellschaft finden, mit der sie nicht einmal mehr die Sprache verbindet? Und werden wir bald auf Deutsch überhaupt nicht mehr über neue Forschungsergebnisse sprechen können, weil uns die Worte fehlen? Die Gesellschaft droht sich zu spalten zwischen den Nutzern einer Elitesprache und all den anderen, an denen die aktuellen Entwicklungen vorübergehen. Ob Deutsch eine Wissenschaftssprache bleibt oder nicht, ist darum keine Frage des Nationalstolzes. Es geht um viel mehr: um die Demokratie.”

Ich habe da deutlich weniger Bedenken, denn mehr als wirtschaftliches Handeln gewinnmaximierend orientiert ist, viel mehr, ist die Wissenschaft, oder sollte es zumindest sein, fortschrittsorientiert, und, das ist keine originelle Erkenntnis, auf je mehr Wissen man zurückgreifen kann, je mehr man mit Wissenschaftskollegen aus aller Welt in Kontakt treten und Austausch treiben kann, ganz einfach, desto besser für die Wissenschaft. Weshalb überhaupt kein Weg an einer Vereinheitlichung vorbeiführt, die längst stattgefunden hat, und diese Einheit bringt das Englische. Und als Deutscher Muttersprachler sollte man sich nicht beschweren, es gibt für uns wirklich schwerer zu lernende Sprache. So ziemlich alle, um genau zu sein.

Ich, vor allem ich als kein Naturwissenschaftler, bin auch der Meinung, dass eine rege Kommunikation aus den Laboren mit der Nicht-Fach-Öffentlichkeit stattfinden sollte, über das, was da überhaupt geschieht. Aber das kann und sollte nie auf fachlich höchstem, sondern immer nur auf allgemeinem, freilich unverfälschendem, ergebniserklärendem Niveau stattfinden.
Ich denke man wird, sofern man überhaupt die Gabe besitzt komplizierte Sachzusammenhänge der Allgemeinheit verständlich zu machen, auch wenn diese in Fachkreisen ausschließlich auf Englisch diskutiert werden, keine Schwierigkeiten haben eben dies zu tun.

Wir brauchen mehr Erkläronkel. Ranga allein reicht nicht.

Dies auf Spiegel Online.

“Die Wahrscheinlichkeit eines atomaren Angriffs auf eine amerikanische Stadt steigt, und die Folgen wären nicht zu bewältigen”, sagt Dallas. Die medizinische Infrastruktur der USA, so das zentrale Ergebnis der Simulation, wäre mit den Folgen einer solchen Katastrophe hoffnungslos überfordert.

Ist das so? Dass diese Wahrscheinlichkeit steigt, mag ja sein, sie war sicher auch schon mal größer, aber dass die medizinische Infrastruktur mit den Folgen einer Atombombenexplosion in einer größeren Stadt, und das als zentrales Ergebnis einer sehr aufwändigen dreijährigen Studie, hoffnunslos überforrdert wäre, da wäre ich nicht drauf gekommen. Ich habe allerdings auch nicht jahrelang darüber geforscht. Man hört doch immer nur Gutes über das Gesundheitswesen in den USA, da bekommt jeder die bestmögliche Versorgung, und es gibt überhaupt keine Wartezeiten. Ich bin, gesunder Menschenverstand eben, immer davon ausgegangen, dass es an den Rändern einer jeden Stadt viele viele, momentan patientenlose, Krankenhäuser gibt, in welchen Tausende Ärzte, alle mit dem Fachgebiet der postapokalyptischen Nachsorge, und ein Arsenal an sonstigem medizinischen Personal, einzig und allein darauf warten, dieses, ganz sicher bald kommende, unschöne Zeichen der Zeit ein wenig erträglicher zu machen.

Wofür, wenn nicht um solche ungeanhnten Erstaunlichkeiten herauszufinden, brauchen wir die Wissenschaft? Nur warum dauert das so lange? In “24″ haben die ihre “estimates” über Opfer im “perimeter” innerhalb von Minuten.

Wer also vorhat eine Atombombe in einer amerikanischen Großstadt detonieren zu lassen, laßt es euch gesagt sein, nicht dass ihr es nachher gar nicht so gemeint habt, denn nun wißt ihr es, ihr würdet damit großen Schaden anrichten.

In Australien gibt es ein Schlafmittel namens stilnox, welches die zauberhafte Nebenwirkung hervorrufen zu können scheint während des Schlafs seltsame Dinge zu tun, wie bsw. die Haustür anzustreichen.

A suspect sleeping pill is causing Australians to paint the front door, binge-eat, and drive while still asleep, a new study reveals.
The Federal Health Department has received 16 separate reports of odd “sleepwalking” behaviour caused by the drug Stilnox, The Sydney Morning Herald reports.

A woman taking the drug “woke with a paintbrush in her hand after painting the front door while asleep,” the Adverse Drug Reactions Advisory Committee said in a bulletin published yesterday.

The health department also received 104 reports of hallucinations and 62 of amnesia relating to the drug.

Wenn es den großen wissenschaftlichen Ausprobierern nun bitte noch gelingen könnte zu steuern, was genau man im Schlaf erledigen wird, ist das doch genau das, was sich alle wünschen, oder? Die Leute sind doch sogar mit einem Walkman schlafen gegangen, da man ihnen versprach so in 14 Tagen bzw. Nächten zum Beispiel chinesich zu lernen. Ich mag nämlich sehr gerne frisch gestrichene Haustüren und aufgeräumte Wohnungen, aber streichen und aufräumen sind von mir ungeliebte Tätigkeiten, es sei denn ich kann damit vor noch ungeliebteren Tätigkeiten fliehen und mich trotzdem später so fühlen als hätte ich etwas geschafft.

(via boing boing)