Do 22. Feb 2007
Seit vier Jahren arbeite ich jetzt in einem Hotel, unter anderem auch als Nachtportier, und da in Bielefeld für gewöhlich unter der Woche kein vergnügungsorientiertes Fremdenverkehrswesen besteht, und eigentlich alle Gäste zum Arbeiten in der Stadt sind, sind in der Regel alle früh im Bett. Darum können sich die Nachtportiers ab ungefähr ein Uhr schlafen legen. Ich stelle mir immer den Wecker meines Telefons auf viertel nach fünf, der mich mit dem Anfang von “Nevereverdid” von “Architecture in Helsinki” halbwegs sanft weckt, und um halb sechs kommt immer eine der Damen, die das Frühstück vorbereiten. Da ich so einen unfassbar ausgeprägten Beschützerinstinkt habe, oder einfach ängstlich bin, schlafe ich aber immer sehr leicht und wache schnell und öfter mal auf, oft nur Minuten bevor der Wecker weckt.
Heute morgen bin ich auch ohne Wecker aufgewacht, ich habe die Taste des Telefons gedrückt, die die Uhrzeit aufleuchten läßt, und es war 13 nach. Gleich aufgestanden, Wecker ausgestellt, Schlafstatt aufgeräumt, Teewasser an, anderes Teewasser an, alle Lichter an, Kühlschrank aufgefüllt, Kerzen an, nochmal gezählt wieviele Frühstücke es sind, genauso viele wie vorher, 53, das ist viel, todmüde gewesen, mich an die Rezeption gesetzt und gedacht, dass da jetzt aber mal eigentlich mal bald mal jemand kommen müßte, die Leute wollen doch frühstücken, wie spät ist denn? Schon 20 vor! Hoffentlich ist nichts passiert. Angst, dass keiner Frühstück machen kommt, keine Sorge um Mitmensch. Ich ruf’ lieber schnell an, vielleicht hat die verschlafen oder ist plötzlich aufm Fuck-you-all-Trip. Klingelt aber lange, komisch, vielleicht ein Unfall und die Sanitäter müssen Leben retten und können nicht ans Telefon, endlich ein müdes Ja?, oh man, die hat echt verschlafen, gibts das denn, da habe ich aber jetzt einen gut. Sach mal, Kommst du gar nicht? Wohin? Kommst du gar nicht arbeiten? Is schon 20 vor, … Was? Wie spät is denn? Es ist schon, … warte mal, es ist 20 vor 5, ‘schuldigung, ich, äh, ich hab’ gedacht, warte mal, neee … es ist 20 vor 4, es ist ja erst 20 vor 4, das tut mir leid, äh, keine Ahnung, äh, ich hab mich vertan, ich hab’ gedacht, tut mir leid, keine Ahnung, bis nachher. Schnell aufgelegt.
Nur ganz superselten habe ich mich leerer und blöder gefühlt als danach. Ich bin 2 Stunden zu früh aufgestanden und habe es nicht gemerkt, ich war zwar ungewöhnlich müde, aber da suche ich dann eher die Schuld bei mir, als bei der Tageszeit. Meine Kollegin hat sich dann, später als sie pünktlich kam, jedenfalls schwerstens amüsiert. Ich war etwas beschämt.
Ich werde mir in Zukunft die Uhr immer noch mal anschauen, bevor ich andere Leute aus dem Bett klingel.