So Sachen


Mal ehrlich. Warum wird sich soviel über die Selbstfestigung der Position der katholischen Kirche beschwert? Ist das nicht das, was die katholische, was alle Kirchen tun? Zu behaupten den einzig wahren Weg zur Glückseligkeit in Ewigkeit zu kennen? Wenn man solche endgüligen Dinge, die keiner weiteren Begründung bedürfen als die, dass es eben so ist, anbietet, kann man, wenn man neue Mitglieder gewinnen möchte, nicht sagen, dass es bei uns gutes, ewiges Leben gibt, aber bei den netten Nachbarn, die einem nicht ständig alles verbieten und auch viel öfter mit der Klampfe ums Lagerfeuer sitzen und für alles Verständnis haben … genauso.

Ich muss aber auch sagen, dass mir die ganze Ökumene suspekt ist. Warum zum Teufel, huch, ist es ein erstrebenswertes Ziel christlicher Religionsgemeinschaften sich an die ehemals verhassten anderen christlichen Glaubensgemeinschaften anzunähern? Warum braucht es immer noch den Herrn Jesus als gemeinsamen Nenner? Warum sich nicht an alle, ob Christ ob anders gläubig oder nicht gläubig, annähern wollen, wenn man so oder so keine erklärten Feinde mehr hat, wenn man vorgeblich das gesamte, zumindest menschliche, Leben achtet und für schützenswert hält?

Was mir immer wieder auffällt, ist, dass man in Gesprächen besser keine Geschichten, die man bei Spiegel-Online gelesen hat, als etwas erzählt, von dem man meint, der Gesprächspartner hätte das bestimmt noch nicht gehört, denn immer ist die Antwort: “Das hast du bei Spiegel Online gelesen”, und immer stimmt es.
Schrecklich, Spiegel Online hat ein Quasinachrichtenmonopol. Obwohl man sich auch noch schlimmeres vorstellen könnte, aber nur noch ein wenig. Was nützt mir Wissen, wenn der andere das auch weiß? Ist doch peinlich und total unelitär. Vielleicht sollte ich mir den Christian Science Monitor als Startseite einrichten, einfach nur weil die so einen hübschen Namen haben und sicher auch ganz freundlich sind, steht nur nix über Arminia drin.

Schon das zweite mal habe ich jetzt bei PostSecret eine Postkarte wie diese gesehen, die davon spricht inständig darauf gehofft zu haben, dass die heimliche, aber wahre, Liebe, ob ausgelebt oder überhaupt auf Gegenseitigkeit beruhend ist unbekannt, sich bei der Frage des Kirchenmannes während der Hochzeit, ob wer was gegen diese Ehe vorzubringen habe, Einspruch erheben würde, um sie dann auf Händen aus der Kirche in eine bessere Zukunft zu tragen.
Kann man denn sowas wirklich Ernst meinen? Gibt es wirklich Leute, die mit der Wirklichkeit und den typischen Handlungsweisen von Menschen so wenig vertraut sind, dass sie sich als einzigen Ausweg in ein glücklicheres Leben, ein vollkommen unrealistisches Szenario wünschen und ehrlich darauf hoffen, dass dieses eintritt?
Ich bin froh, dass der Herr, selbst wenn er tatsächlich mit dem Gedanken gespielt hat, Einspruch zu erheben, es nicht getan hat, denn die gute Frau scheint der Überzeugung zu sein, dass jemand der einem unausgesprochene Wünsche nicht vollständig erfüllt nicht der perfekte Mensch sein kann. So stelle ich mir diese Frau vor. Mit dem Glauben an einen für sie geschaffenen perfekten Menschen, und tief unglücklich, solange dieser nicht da ist.

Ich habe eine Nachbarin, der ich solch ein Verhalten zutrauen würde, jemandem ständig die kalte Schulter zeigeng, nur um ihm dann auf dem Sterbebett zu beschuldigen, warum er sie nie gerettet hat.

Round Table. Kannt’ ich bisher gar nicht. Ist aber nichts weiter als irgendsoein anderer schwanzloser Männerclub, in dem sich alle gegenseitig ganz toll finden und glauben, ohne ihr fantastisches Engagement wären wir schon alle tot.

Round Table ist politisch und konfessionell neutral, zudem gibt es keine ethnischen oder landsmannschaftlichen Beschränkungen.

Nur Frauen dürfen, natürlich, nicht mitmachen. Die können doch eh nichts, und da es vor allem um Freundschaften und Beziehungen und so grundsolide Sachen geht, würde das, und das weiß jeder, der Harry und Sally gesehen hat, natürlich auch nicht passen, denn alle Männer wollen immer alle Frauen nur bumsen und dann bekommt man nichts mehr hin.
Und denen habe ich am Samstag auf der Alm auch noch für 5 Euro 8 Lose, ‘türlich nur Nieten, abgekauft. Sowieso, auf der Arminia-Site keine Bilder von glücklichen Gewinnern. Macht mich mißtrauisch.

Da war eine Nachricht bei Spiegel Online, dass eine Frau, die seit 6 Jahren in einem Wachkoma liegt, plötzlich aufgewacht ist, um nach drei Tagen wieder zurück ins Koma zu fallen. Da habe ich gedacht: Das kenne ich gut, ist wie mit Sachen, die kaputt waren, dann ohne ersichtlichen Grund plötzlich wieder gehen, man ist total glücklich und denkt, so bleibt es für immer, das Ding ist unzerstörbar, doch dann ist es nach kurzer Zeit wieder kaputt, und funktioniert nie mehr wieder. Sehr enttäuschend. So, wie wenn man vorher mit einem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, nur um in der letzten Minute den Ausgleich reinzubekommen und doch nicht so zufrieden ist.

komischer Cadillac


Noch mehr eher unkonventionelle Panzer gibt es bei Dark Roasted Blend, obwohl man ja auch schon mit gewöhnlichen Panzern auffällt, wenn man damit zur Arbeit oder zum Einkaufen fährt.

Seit vier Jahren arbeite ich jetzt in einem Hotel, unter anderem auch als Nachtportier, und da in Bielefeld für gewöhlich unter der Woche kein vergnügungsorientiertes Fremdenverkehrswesen besteht, und eigentlich alle Gäste zum Arbeiten in der Stadt sind, sind in der Regel alle früh im Bett. Darum können sich die Nachtportiers ab ungefähr ein Uhr schlafen legen. Ich stelle mir immer den Wecker meines Telefons auf viertel nach fünf, der mich mit dem Anfang von “Nevereverdid” von “Architecture in Helsinki” halbwegs sanft weckt, und um halb sechs kommt immer eine der Damen, die das Frühstück vorbereiten. Da ich so einen unfassbar ausgeprägten Beschützerinstinkt habe, oder einfach ängstlich bin, schlafe ich aber immer sehr leicht und wache schnell und öfter mal auf, oft nur Minuten bevor der Wecker weckt.
Heute morgen bin ich auch ohne Wecker aufgewacht, ich habe die Taste des Telefons gedrückt, die die Uhrzeit aufleuchten läßt, und es war 13 nach. Gleich aufgestanden, Wecker ausgestellt, Schlafstatt aufgeräumt, Teewasser an, anderes Teewasser an, alle Lichter an, Kühlschrank aufgefüllt, Kerzen an, nochmal gezählt wieviele Frühstücke es sind, genauso viele wie vorher, 53, das ist viel, todmüde gewesen, mich an die Rezeption gesetzt und gedacht, dass da jetzt aber mal eigentlich mal bald mal jemand kommen müßte, die Leute wollen doch frühstücken, wie spät ist denn? Schon 20 vor! Hoffentlich ist nichts passiert. Angst, dass keiner Frühstück machen kommt, keine Sorge um Mitmensch. Ich ruf’ lieber schnell an, vielleicht hat die verschlafen oder ist plötzlich aufm Fuck-you-all-Trip. Klingelt aber lange, komisch, vielleicht ein Unfall und die Sanitäter müssen Leben retten und können nicht ans Telefon, endlich ein müdes Ja?, oh man, die hat echt verschlafen, gibts das denn, da habe ich aber jetzt einen gut. Sach mal, Kommst du gar nicht? Wohin? Kommst du gar nicht arbeiten? Is schon 20 vor, … Was? Wie spät is denn? Es ist schon, … warte mal, es ist 20 vor 5, ‘schuldigung, ich, äh, ich hab’ gedacht, warte mal, neee … es ist 20 vor 4, es ist ja erst 20 vor 4, das tut mir leid, äh, keine Ahnung, äh, ich hab mich vertan, ich hab’ gedacht, tut mir leid, keine Ahnung, bis nachher. Schnell aufgelegt.
Nur ganz superselten habe ich mich leerer und blöder gefühlt als danach. Ich bin 2 Stunden zu früh aufgestanden und habe es nicht gemerkt, ich war zwar ungewöhnlich müde, aber da suche ich dann eher die Schuld bei mir, als bei der Tageszeit. Meine Kollegin hat sich dann, später als sie pünktlich kam, jedenfalls schwerstens amüsiert. Ich war etwas beschämt.

Ich werde mir in Zukunft die Uhr immer noch mal anschauen, bevor ich andere Leute aus dem Bett klingel.