Filmtagebuch


Ich geb’s zu. Ich habe Superbad jetzt zum dritten mal in einer Woche gesehen. Einmal davon mit Kommentar. Alles, wirklich alles paßt, nichts ist, trotz totaler Vulgarität und Albernheit, dümmlich, peinlich oder niederträchtig, sondern wirklich lustig, ja sogar anständig. Michael Cera ist fantastisch! Die anderen beiden Jungs ebenfalls. Die Cops sind so, wie sie wahrscheinlich sein würden, wenn sie damit durchkämen. Ich kenne aus dem Genre der Teenie-Boner-Komödie des letzten Jahrzehnts eigentlich nur American Pie, der im Vergleich hierzu überhaupt nichts kann.

Das hat mich so begeistert, dass ich jetzt auch Knocked Up und die Judd-Apatow-Serien Freaks and Geeks und Undeclared sehen möchte, die ich alle noch nicht kenne. Freaks and Geeks kommt zufälligerweise momentan auf EinsFestival unter dem Titel “Voll daneben, voll im Leben”, aber da ich jede Synchronisation ablehne, kann ich das dort nicht sehen.

Officer Michaels: I often go to sleep and dream of waking up in a world where everything is covered in semen.
Officer Slater: I mean, who doesn’t?
Officer Michaels: It’d be nice. Like that crime scene today. If the man had ejaculated and then punched you in the face, we’d have a real good shot at catching him. Just punched in the face, no semen.
Officer Slater: No semen.
Officer Michaels: Story of my life.

Barton Fink

Nach vielen Jahren wieder den großen Barton Fink gesehen. Ich glaube mittlerweile, dass man sich gar nicht mit langen, komplizierten Deutungen darüber aufhalten muss, was hier echt und was nicht echt ist. Denn ich glaube, dass nichts, ab dem Moment wo Barton in Hollywood ankommt, wo sich das Meer an dem Felsen bricht, echt ist. Alles ist ein großer, zugegeben ziemlich kohärenter, und erst zum Schluss hin immer bizarrer werdender Angsttraum des New Yorker Intellektuellen, der einen Autorenvertrag in Hollywood angeboten bekommt, und dort nichts als eine jegliche Kreativität und Individualität zerstörende Hölle erlebt. Dieses Hollywood besteht aus nichts weiter als Profitgier, die sich aber dennoch rühmt Kino für den kleinen Mann zu machen, für den und aus dem heraus Barton schon sein Theater machen wollte, aber nicht um seine basalen Instinkte zu befriedigen, sondern um seine Geschichten zu erzählen und um ihn zu erziehen. In seinem Traum wird sein Held, der an William Faulkner modellierte Autor Mayhew, als Betrüger und Trinker enttarnt, Barton hat, außer Höllennazi John Goodman, keine Freunde, obwohl er sich in New York vor Verehrern nicht retten konnte und Liebe wird, sobald er sie erfährt, umgehend wieder zerstört.

Vielleicht ist Hollywood hier auch als echt zu sehen, spiegelt die Erfahrungen der jungen Coen-Brüder wieder und alles wird damm noch symbolisch und surrealistisch verstärkt. Barton wird in einem kranken Hollywood immer kränker.

Quel maledetto treno blindato

Wie kann man ein Filmtagebuch besser beginnen als mit totalem Trash? Vermutlich auf mehrere Arten. Ich kann aber jetzt nicht anders, da dass der erste Film war, den ich seit meinem Plan hier Zeugnis abzulegen, gesehen habe. Wer ist schuld? Quentin Tarantino ist nicht schuld. Schuld ist Florian, der aus dem Wissen heraus, dass der Quentin diesen Film jetzt neu verfilmt, geschlossen hat, ihn im Filmclub zeigen zu müssen. Florian hat dann krank gefehlt.
In diesem Film bekommt im Frankreich des Jahres 1944 der titelgebende Haufen amerikanischer Deserteure, Diebe und Mörder während ihres Transports zur Erschießung bei einem deutschen Angriff die Gelegenheit zu fliehen, tut dies, will sich in die Schweiz absetzen, erlebt allerhand schießwütige Abenteuer, bringt aus Versehen eine als deutsche Soldaten verkleidete amerikanische Spezialeinheit um, gibt sich dann als diese aus und rettet gemeinsam mit der französischen Ressistance den Tag. Klingt super, ist aber nicht viel besser umgesetzt als eine A-Team-Doppelfolge. Amüsant ist es jedoch allemal. Zumindest das hat er vielen anderen Kriegsfilmen voraus. Nur Seewolf Harmstorf, als deutscher Deserteur Adolf, zerdrückt leider keine Kartoffel. War das nicht sein Alleinstellungsmerkmal?

Wenn ich nicht ich, sondern jemand ganz anderes und jetzt nicht jetzt, sondern vor 30 Jahren wäre, so hätte ich eventuell die Filmemacher wegen Verunglimpfung der Wehrmacht angezeigt und vermutlich recht bekommen. Kein Wunder, dass die den Krieg verloren haben, die sind einfacher zu töten als die dicken Mädchen beim Völkerball abzuwerfen. Die muss man nur mal kurz an der Schulter berühren und schon sind sie hin. Tolle Herrenrasse ist das.

Gelernt habe ich, dass man die richtige Wahl trifft, wenn man sich mit Deserteuren, Dieben und Mördern umgibt, denn wenn die Scheiße mal den Ventilator trifft, dann wissen die worauf es ankommt! Nämlich den Bleistift in den Selbstzerstörungsmechnismus der V2 zu stecken, um ihn zu stoppen, und ihn dann selbstlos wieder zu entfernen, um das Ende des Films zu retten.