Film


Ich finde die Forderung nach einer Pflichtabgabe für Filmkopien in der heutigen Zeit ein klein wenig absurd. Wenn es so etwas vor 80, 90 Jahren schon gegeben hätte, dann wären ohne Frage einige Filmkunstwerke mehr erhalten geblieben, doch damals war Kino in den Köpfen der kulturellen Entscheidungsträger ja nur Zirkus. Heute muss man sich, wo jedes italienische B-Movie auf absehbare Zeit irgendwo in HD als Blu-Ray-Disc erscheinen wird, keine großen Sorgen um die Archivierung neuer Filme machen, denn es kann ja keine Pflichtabgabe für Kopien alter Filme geben. Außerdem scheint mir die von den Archivaren geforderte Abgabe als “Filmkopie” seltsam anachronistisch, bei einer digitalen Kopie in 4K wäre gegenüber einer 35mm-Kopie kein Verlust zu erkennen und die Archivierung und Doppel- und Dreifacharchivierung exponentiell billiger und der Zugriff (wer soll da überhaupt drauf zugreifen dürfen?) einfacher. Wem würde eine riesige, klimatisierte und feuersichere Lagerhalle voller letztlich irgendwann doch verrottender Filmrollen, die unbenutzt bleiben, dienen? Also wenn so ein Archiv, heute in jedem Fall digital.

Heute Nacht habe ich mir die Oscars angeschaut. Und ständig wurde Ellen Page gelobt, wie ganz super die ist, und was die alles kann, und was für eine Bereicherung für den Genpool und wie sie vielleicht demnächst die Welt und die Menschen auf ihr rettet. Ich habe Juno nicht gesehen, kann das gar nicht beurteilen, doch dann sehe ich, dass die das “schwierige Mädchen” in Hard Candy gespielt hat … ja … naja … die ist schon gut … die macht mir aber große Angst … so gut kann doch niemand spielen, das kann nicht gespielt sein, die ist bestimmt so. Schauder. Selbstjustiz-Girlies mag ich nicht.

Ansonsten: No country for old men ist der erste brillante Coen-Film seit Fargo und bestimmt verdienter Sieger, kann ich aber auch nicht beurteilen, da das der einzige nominierte Film war, den ich gesehen habe. PT Anderson ist mir dazu noch, aus der Ferne, unsympathisch, weshalb ich schön für wen und gegen wen sein konnte und mich dann am Ergebnis freuen. So wie ich mich am Samstag freuen konnte, wie bei den ganzen anderen Arminiaauftritten auch, diesen freudvollen.

David Lynch. Man muss ihn lieben.

(via)

Großes Monster, großer Spaß. Besonders schön finde ich, dass der viel Unsinn quasselnde Junge, der die meiste Zeit die Kamera hält, Hud heißt, wie HUD, wie Head-Up Display, da der Film schon viel von einem Egoshooter hat, inklusive der fiesen “Crabs”, die man aus Half Life kennt und die stilecht mit einer Eisenstange plattgekloppt werden.
Was ich aber am allerallerlustigsten fand waren die Kritikpunkte der Bescheuerten im Kino nachher: Kameraführung und Dialoge. Gibt’s das? Kann man die Kameraführung in einem Film kritisieren, der aus einem gefundenem Videotape bestehen soll, welches mit einer DV-Kamera während eines riesigen Monsterangriffs aufgenommen wurde? Nein. Man kann aber die Qualität der optischen Effekte, die in dieses extrem verwackelte “Amateurvideomaterial” eingebaut wurden, als herausragend bezeichnen. Das geht. Denn sie sind es. Dialoge? Was wurde denn erwartet? Reflexion? Gesellschaftskritik? Das ist ein Monsterfilm, und einer in dem es endlich mal nicht darum geht das Monster zu verstehen oder zu besiegen, sondern nichts weiter als die eigene Haut und die der großen Liebe zu retten.
Mir hat das sehr gefallen.

Ich habe in den letzten Tagen bestimmt doch 150 und mehr Skatspiele online absolviert und mich teilweise aufs Übelste beschimpfen lassen müssen, von womöglich ungewaschenen nackten Männern aus Altenburg. Schlimm ist auch, dass das auf mein Denken so abgefärbt hat, dass ich, als ich gesehen habe, wie Fatih Akins neuer Film in den deutschen Feuilletons, man muss es sagen, abgefeiert wird, gedacht habe, der muss sich fühlen, als ob er vier Buben, vier Asse und zwei Zehnen auf der Hand hat.
Ich bin mir sicher, dass der Film die jetzt aufgebaute Erwartungshaltung nicht wird befriedigen können. Werde also nicht so viel erwarten und deshalb ganz klar positiv überrascht werden. Einfach.

Das war wirklich die langweiligste Oscar-Show, die ich je gesehen habe, und das, wo es letztes Jahr so fein war mit Jon Stewart. Die Ehrung als Bester Film bei den Oscars ist für mich immer Indikator dafür, dass es wohl zielmlich großer und langweiliger Quatsch ist, der da gewinnt. Ich habe The Departed nicht gesehen, und plane es auch nicht, da die, vorgeblich realistische, Welt in Martin Scorseses Filmen, mit der Welt, wie ich sie sehe, keine gemeinsamen Mengen hat, und ich kann die Filme auch nicht als reine Unterhaltung akzeptieren und ihre Machart genießen, dafür ist mir der Duktus zu ernst. Aber soll er mit seinem Oscar glücklich werden, wenn es dazu führt, dass er etwas entspannter wird und der Testosteronüberschuß abnimmt, bitte!

Ich habe mir die Gewinner der letzten 20 Jahre mal vorgenommen und geschaut, ob nicht vielleicht wesentlich bessere, oder auch nur gute Filme, nominiert waren.

2006: Crash (fürchterlich) Besser: Brokeback Mountain und Capote.
2005: Million Dollar Baby (nicht gesehen)
2004: TLOTRTROTK (Sammeloscar und Belohnung für das viele schöne Geld. Mich langweilt das sehr) Besser: Lost in Translation (aber auch kein Meisterwerk)
2003: Chicago (Nicht mein Fall) Besser: The Hours, The Pianist.
2002: A Beautiful Mind (ein Witz) Besser: In the Bedroom (und warum dieses Jahr der fabelhafte Little Children nicht einmal nominiert war, verstehe ich auch nicht)
2001: Gladiator (noch einer) Besser: Der Tiger und Drachen Film.
2000: American Beauty (in den letzten Jahren der verdienteste Gewinner)
1999: Shakespeare in Love (schrecklich!) Besser: Alle anderen!
1998: Titanic (Ich mag den ja)
1997: The English Patient (Ach, der ist ok.) Aber der beste Film der Welt hätte gewinnen müssen: FARGO. Und Secrets and Lies ist auch besser.
1996: Braveheart (Kann ich gar nichts mit anfangen) Besser: Il Postino, aber schon ein Ding, dass der überhaupt nominiert war.
1995: Forrest Gump (nett!), aber Pulp Fiction gab’s auch noch.
1994: Schindler’s List (Ging wohl nicht anders), aber sowohl The Piano, als auch The Remains of the Day würde ich mir eher noch mal anschauen.
1993: The Unforgiven (Mochte ich damals nicht, kann mich aber auch nicht mehr sehr gut daran erinnern und bin generell kein Westernfreund) Besser: The Crying Game und Howards End.
1992: The Silence of the Lambs (Verdient)
1991: Dances with wolves (Auch verdient)
1990: Driving Miss Daisy (Habe ich damals gesehen und langweilig gefunden, muss nicht stimmen)
1989: Rain Man (von mir aus), aber mir gefällt Dangerous Liaisons wesentlich besser.
1988: The Last Emperor (Nie gesehen)
1987: Platoon (Nicht gut) Besser: Hannah and her Sisters und A Room with a View.

Und ich bin wirklich enttäuscht, dass der blöde Stasi-Film gewonnen hat und nicht El Laberinto del Fauno … oder irgendwas anderes.

Wie alle anderen auch, behaupte ich einfach mal, empfinde ich die meisten gestalterischen Neuerungen zunächst einmal als Zumutung, gewöhne mich aber innerhalb von Minuten daran und oft werden die Dinge auch deutlich besser benutzbar. Die imdb hat, soweit ich mich erinnere, in den letzten 8 oder 9 Jahren keinen signifikanten Designwandel vollzogen, bis jetzt. Die von mir vermutlich am häufigsten benutzte Seite war so vertraut, und immer da, dass ich mir eigentlich nie wirklich Gedanken darüber machte, wie es dort aussah, da das Gebotene konkurrenzlos ist. Seit neuestem sind die Film- und Namensseiten dort vollständig anders gestaltet und ich fühlte mich zunächst wirklich persönlich angegriffen, da es einfach nicht mehr das ewig vertraute Bild war, und das ohne mich zu fragen oder Warnung. Nach einer kurzen Orientierungsphase muss ich aber sagen, dass es mir gefällt, dass es besser ist … bis auf die viel zu großen gelben Buttons, die sind mir noch zu aufällig, aber auch daran wird man sich gewöhnen. Warum sie allerdings nicht auch die Startseite gleichzeitig gerelauncht haben finde ich seltsam, die kommt noch im alten Design daher.

Dass die Dänen die allerglücklichsten aller Europäer sind habe ich auch schon gehört und mich immer gefragt warum. Warum im Vergleich bsw. zu den Schweden mit ihren feinen Autos und weltweit den Massenstandard für Inneneinrichtung und Bekleidung aller Nicht-Reichen setzenden supersympathischen Unternehmen und den Schwedinnen, oder den Norwegern mit ihren Fjorden und dem vielen Öl oder den Finnen, ok, dass die Finnen nicht so glücklich sind ist keine große Überraschung.
Jedenfalls ist jetzt herausgefunden worden, dass dieses große Glück hauptsächlich vom, mir damals mißgönnten und heute als märchenhaft empfunden, EM-Triumph von 1992 und einer gesunden niedrigen Erwartungshaltung herrührt. Diese niedrige Erwartungshaltung teile ich, aber bei mir wird sie, im Gegensatz zu den Dänen, nur selten übertroffen … Tschüß Tommi von Heesen!

1992 has had a lasting impact. This victory arguably provided the biggest boost to the Danish psyche since the protracted history of Danish setbacks began with defeat in England in 1066, followed by the loss of Sweden, Norway, Northern Germany, the Danish West Indies, and Iceland. The satisfaction of the Danes, however, began well before 1992, albeit at a more moderate level. The key factor that explains this and that differentiates Danes from Swedes and Finns seems to be that Danes have consistently low (and indubitably realistic) expectations for the year to come. Year after year they are pleasantly surprised to find that not everything is getting more rotten in the state of Denmark.

Warum Dänemark aber, dem Vernehmen nach, einen ungewöhnlich hohen Anteil an dumpfen Rechtsradikalen hat kann ich zumindest damit nicht erklären, vermutlich ist es wie in unserem Osten, dass die relative Abwesenheit von Fremden Hass und Angst besonders schüren.

Da bekomme ich hier auch mal die Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass ich dänische Komödien meist total bescheuert finde. Im Gegensatz zu dem Kino eines von Trier, Vinterberg oder Boe, die alle großartige Filme machen.

(via boing boing)

Kristin Thompson schreibt hier einen schönen Artikel über den Stand der Dinge der Hobbit-Verfilmung, die mich ehrlich gesagt nicht sehr interessiert, aber interessant sind die Summen die Peter Jackson, Fran Walsh und
Saul Zaentz tatsächlich mit den LOTR-Verfilmungen gemacht haben … und trotzdem nicht zufieden sind. Aber ist sicher gang und gäbe in Hollywood, 20 Millionen Nachzahlung außergerichtlich, warum eigentlich nicht?

Und bei alledem ist es mir ein unendliches Rätsel wie man diesen LOTR-Quatsch wirklich spannend finden kann, exzellente Inszenierung hin oder her.