Do 6. Mrz 2008
“Agnostic Couch” war doch eh albern. Denn was den Agnostiker in mir ausmacht ist ausschließlich Ablehnung der Alternativen, nichts was mir Freude macht. Ich bin nur deshalb Agnostiker, da ich es für vollständig überflüssig halte, mich mit Fragen zu beschäftigen, auf die man keine Antwort bekommen wird, und bevor ich irgendwelcher anderer Leute Phantasien für wahr nehme, mache ich mir lieber heimlich meine eigenen. Das “Couch” war mehr oder minder Ausdruck dieser Passivität. Ich weiß auch gar nicht, wie man “frontal” agnostisch sein kann, eine Haltung, die spezifisch sagt, dass man nicht beantworten möchte, ob es irgendwelche metaphysischen Phänomene gibt, auch wenn man persönlich stark dazu tendiert, dass es sie nicht gibt, jedenfalls nicht im entferntesten in der Form, wie auf der Erde beworben. Für mich ist diese Haltung des Nicht-Wissens, nicht des Nicht-Wissen-Könnens, im Zweifel immer für das Leben, für jedes schmerzempfindende Leben, einzustehen, alternativlos geworden. Warum, wenn ich die Möglichkeit habe Leiden zu mindern, soll ich das nicht tun? Warum spielt es eine Rolle wer leidet? Wenn ich Menschen mindester Intelligenz, allein zu Leben nicht fähiger Intelligenz, das Grundrecht zugestehe nicht leiden zu müssen und in Würde zu leben, warum dann nicht anderem Leben, welches mit einem zentralen Nervensystem ausgestattet und dazu autonom lebensfähig ist? Wir sind ernährungsphysiologisch dazu nicht gezwungen, und wer anderes behauptet, naja, der lügt. Ich sage es: weil es uns nichts nützt. Ich glaube immer noch, dass alle Rechte und Gesetze reiner Selbstschutz sind, solange ich Menschen, zu denen ich ja auch gehöre, das Recht auf Leben gebe, kann mir keiner, ungestraft, im Extremfall dieses Leben oder dessen Würde nehmen, so stellt man es sich zumindest vor. Wenn ich Tieren, zu denen ich dann wohl nicht gehöre, dieses Recht verweigere, kann mir ja nichts passieren. Und das hat insofern etwas mit meinem Agnostikertum zu tun, da ich die Religionen hauptverantwortlich für das Kontinuum der immer noch vorherrschenden Rechtfertigung für die, nicht “mehr” plausibel belegbare, Sonderstellung des Menschen mache, vom anthropointernern Konfliktpotential der Religionen untereinander mal ganz abgesehen. Ich weiß, dass es insgesamt kühn ist zu erwarten, dass in naher Zukunft das nicht-menschliche Leben irgendeine Aufwertung erfahren wird, gemessen an der Tatsache wie wenig fortgeschritten die Akzeptanz der Gleichheit, lediglich das Lebensrecht betreffend, der Menschen untereinander ist.
Ja. Mir sind im Grunde alle Religionen unsympathisch, ob ihrer Selbstüberhöhung, ihres Anthropozentrismus und ihrer “unendlichen” Unbescheidenheit. Das heißt aber nicht, dass ich dem einzelnen Gläubigen, oder auch Nicht-Vegetarier, mit einer ähnlichen Haltung gegenübertrete. Es wäre genauso unbescheiden zu verlangen alle müssten zu denselben Schlüssen kommen wie ich, und liefe dem Grundsatz im Zweifel für den anderen zu sein entgegen. Abgesehen davon bin ich ja selber Konsument von Milchprodukten … aber das Rind ist ja so genügsam, das kann man in Würde ausbeuten … ich müsste mich eigentlich selber verachten, mache ich aber nicht, da Verachtung insgesamt nicht förderlich ist. Was noch dazu kommt: Spinnen und Insekten (Minus Bienen, Marienkäfer und Grashüpfer), diese kleinen Widerlinge, kann man natürlich ohne unmoralisch zu werden, meiner Meinung nach, sofort totschlagen und gerne auch essen. Ist alles nicht so einfach.
Mein ziemlicher Optimismus, was den technischen Fortschritt angeht, lässt mich übrigens exzellente Fleisch- und Milchsynthetisierungsverfahren in der Zukunft sehen. Das wird schon lecker. Und dann hätte mein Onkel, der Pastor ist, der mich mal in Bezug auf meinen Fleischkonsumverzicht, ich nehme an im Scherz, gefragt hat, wozu ich überhaupt leben würde, immer noch einen Lebenssinn haben, ohne die Tiermassen quälen zu müssen.
Und außerdem taucht diese Seite gar nicht mehr in den Suchergebnissen auf, wenn ich nach meinen Namen bei Google suche, und das geht ja wohl gar nicht.


