Di 15. Apr 2008
Wir brauchen mehr Punkte. Aber davon abgesehen, bin ich sofort und unbedingt dafür unsere althergebrachte Art zweistellige Zahlen auszusprechen auf den Müllhaufen der Sprachgeschichte zu werfen. Es ist zwar immer sehr aufregend, wenn nach einem Preis gefragt der Befragte langsam beginnt die “Neun” zu sprechen, direkt das “und” anschließt, um dann erstmal einen Interrupt zu zelebrieren, da hält man es vor Spannung nicht mehr aus und schreit innerlich: “Neunund weiß ich ja, ist ja immer Neunundirgendwas, aber Neunundwas? Neunundwasdennnun?” Am Ende der Auskunft ist man enttäuscht, da es mindestens ein Zehner zuviel war. Kann nicht passieren, wenn die Zehnerstelle gleich ehrlich auf den Tisch gelegt wird.
Und Menschen, die wenig deutsch sprechen, haben erfahrungsgemäß auch immer wieder große Schwierigkeiten und verstehen erst was gemeint ist, nachdem man Ihnen die Zahl aufgeschrieben hat.
Was die Leute hellhörig machen könnte ist, dass Mathematiker Lothar Gerritzen heute im Interview in der Süddeutschen die jährlichen wirtschaftlichen Verluste durch Zahlendreher auf “mehrere hundert Millionen Euro” schätzt. Dooferweise gibt es dazu keine Untersuchungen. Ich, aus der Fußballschule des Lebens plaudernd, glaube dagegen, dass sich das im Laufe einer Saison schon wieder ausgleicht, und schätze die jährlichen wirtschaftlichen Verluste auf exakt Null. Bin aber trotzdem dafür. Warum sie allerdings das schöne Wort “und” nicht mehr in den zweistelligen Zahlen haben möchten erschließt sich mir nicht. So klingt es viel zu technisch. Viel zu ungewohnt. Die Teeniezahlen sollten außerdem bleiben wie sie sind, finde ich.
Ein Buch haben die Reformwoller auch geschrieben. Aber wer liest einhundertfünfzigundsechs Seiten zu diesem Problem?
“Fünfzigvier, Siebzigvier, Neunzig, Zweitausendsechs” klingt aber komisch und “Mit Sechzigsechs Jahren” auch.
