Mi 20. Feb 2008
Man kann auch ziemlich doof sein, obwohl man Hölderlin-Hymnen auswendig kann
Von Malte um 11:53 in HöchstkulturBeitrag kommentieren
Eine junge Kulturpessimistin namens Anne Weiss sagt auf Spiegel Online:
Es tut zum Beispiel schon verdammt weh, was mit der deutschen Sprache angestellt wird. Früher konnten wir Hölderlin zitieren, heute können wir irgendwelche grässlichen Musiktitel nachsingen.
Verdammt weh tut ihr das. Ich kann auch überhaupt kein Hölderlin auswendig, denn Hölderlin auswendig zu lernen macht man nicht im vorbeigehen. Hölderlin heutzutage auswendig zu lernen ist harte Arbeit, Arbeit deren Sinn sich kaum erschließen mag, denn man muss sich schon in einen mental zweifelhaften Zustand befinden, dass einen das Pathos dieser Dichtung so sehr persönlich berührt, dass man es sich derart zu Eigen macht. Oder man ist Philologe, was einen mental fragwürdigen Zustand keinesfalls ausschließt.
Aber ich kann mehrere Hundert, auch gräßliche, Lieder des letzten Jahrhunderts auswendig … oder zumindest in großen Teilen mitsingen. Warum? Zum einen weil es die begleitende Musik einfacher macht sich den Text zu merken, sobald man erstmal anfängt sich den Text anzusehen, und zum anderen weil mir die Lieder tatsächlich etwas bedeuten. Aber wenn mich das im kanonsgeilen Bildungsbürgerverständnis von Frau Weiss doof macht, werde ich gerne von dieser Lektorin ausgerechnet der Lübbe-Verlagsgruppe als doof angesehen, aber nur solange es sie unglücklich macht.
Nach tausenden von Jahren abendlandbeendender Jugend von heute ist es endlich soweit, die Jugend von heute ist so furchterregend schrecklich, die sieht das selber ein.
Ich finde die Jugend super, solange sie nicht zuschlägt. Das gilt aber imperativ für alle anderen auch.
