Ich weiß es nicht, aber es können nicht mehr als zweihundert Meter vom Haupteingang der Uni bis zur Straßenbahnhaltestelle sein. Eine gerade Strecke, ohne Hindernisse. Ich war vielleicht 20 Meter vom Eingang entfernt als ich letzten Mittwochabend gegen 8 meine Bahn kommen hörte, zu dieser Zeit, so glaube ich, fahren die Bahnen nur noch alle 15 Minuten, und ich wollte jetzt nicht warten, nicht jetzt und nicht hier, wollte nach Hause, nach Hause als bald als möglich. Zwischen Bahn hören und dem größten Sprint seit meinem letzten Jahr Schulsport vor mehr als zehn Jahren lagen nur instinktbestimmte Millisekunden. Während der ersten Sekunden, als ich da so rannte, kam meine Vernunft zurück (“Bin ich bescheuert, hier so zu rennen? Könntest doch schön beim Warten anderen Leuten beim Warten zusehen.”), aber auch mein Stolz und meine Scham waren präsent und waren stark, wollte all den Fußgängern zeigen, dass man diese Bahn nicht aufgeben darf! Diese Bahn gehört mir! Und so war es auch. Bekam die Bahn, trotz reduzierter Geschwindigkeit während der letzten Fünfzig Meter, um nicht den anderen in der Bahn den letzten Sauerstoff zu rauben und dort zusammenzubrechend noch zu röcheln, dass keiner jemals geglaubt hätte, dass diese Bahn noch kriegbar sei, aber ich das Unmögliche wahr gemacht hätte! In der Bahn dann, Atmung kontrollierend, ahnte ich, vor allem da ich so einen metallischen Geschmack im Mund hatte und mich den ganzen Tag schon grippig fühlte, dass das keine gute Idee war, diese Bahn nicht verloren zu geben.
Das war Mittwoch. Heute ist Sonntag und meine Oberschenkel schmerzen seit Donnerstag, der Mittelzeh meines linken Fußes ist bestimmt gebrochen und ich bin so richtig erkältet. Mehr und mehr kann ich Winston Churchills No-Sports-Credo nachempfinden. Oder man macht es richtig und nicht wie ich.