Januar 2008


Die wissen aber schon genau, dass wer nicht als Kind schon den Glauben beigebracht bekommt, ihn als Erwachsener in kaum einem Fall findet. Und wenn doch, meist nur aus Gründen des Versuchs der Selbstmedikation in persönlichen Krisen.
Es ist ungeheuerlich wie schnell man mit Antisemitismus-Vorwürfen um sich wirft. Ein Kinderbuch, welches die Albernheiten und Angsteinflößungen aller großen monotheistischen Religionen illustriert, soll also heimlich ein Werk sein, welches zum Judenhass aufruft?

Religionskritik ist nicht Verunglimpfung von Glaubensgemeinschaften. Und es ist nicht Auftrag unserer Bundesregierung Religionskritik zu unterdrücken. Religionskritik, auch in Kinderbuchform, muss offen erlaubt sein.


Ferkelbuch

(Edit: Der Banner ist weg. Kann ich auch nich für.)

You suck at Photoshop. Die ersten drei waren schon gut. Nummer 4 is killer.

Der diesjährige Super Bowl findet im University of Phoenix Stadium statt. Das habe ich mir mal bei Wikipedia angeschaut. Schickes Ding. Und teuer. 455 Millionen Dollar. Da habe ich gedacht, dass das mit meiner Vorstellung einer Universität nichts zu tun hat, wenn eine Hochschule für soviel Geld ein Stadion baut. Haben die aber gar nicht, die haben nicht mal Collegemannschaften, die sind tatsächlich nur kommerzieller Namenssponsor, diese Schule ist eine for-profit Schule, die mittelprächtige Erwachsenenbildung treibt. Anhand dieser Sponsoringtätigkeit meine ich zu erkennen, dass die zuviel Gewinn machen, denn die Gründe für Stadionsponsoring sind hierzulande entweder lokale Nettigkeit (wir hier, weil dringend nötig) oder fragwürdige Repräsentationsmaßnahmen irgendwelcher irrer Marketingchefs einer Versicherung, einer Bank oder eines Energiekonzerns, die auch alle zuviel Geld haben … oder hatten.

Ich bin kein großer Freund des Herrendufts. Besondere Abneigung empfinde ich gegenüber Männern, die die erste gesellige Runde am Nachmittag schon hinter sich haben und sich dann im Hotel noch mal für den Abend “frisch machen” wollen. Mit Duschgel, mit Eau de Toilette, mit Aftershave, alles aus verschiedenen Produktserien, die alle auf unterschiedliche Weise billig riechen und alle zu massiv appliziert wurden. Dieses Grauen muss man sich dann kombiniert mit einer meterlangen Fahne und dem lieblichen Aroma eines feuchten Aschenbechers vorstellen. Warum machen die das? Können die selber nichts riechen?
Jetzt habe ich aber zu Weihnachten von den Ausbilderinnen von Douglas, die das ganze Jahr über ihre Auszubildendinnen während ihrer Pflegesereinseminare, oder was auch immer die da machen, bei uns parken, unter anderem ein Duschgel bekommen, dessen Duft mir wirklich gut gefällt. Da dachte ich, dass ich mir das ja vielleicht auch mal kaufen könnte. Ich hatte ja keine Ahnung. 200 ml dieses Seifenprodukts sollen 30 Euro kosten. Duschgel. Duschgel ist sowieso schon Quatsch. Bißchen Cremeseife reicht völlig um sauber durchs Leben zu kommen. Aber 30 Euro für eine Tube Duschgel? Andererseits ist der Duft von “einzigartiger Vollkommenheit”, das kostet natürlich.
Ich glaube ich mache mir das lieber selber, laut Beschreibung brauche ich ja nur ein paar Mandarinen, Äpfel (welche Sorte?), reinen Tee, wilde und grüne Noten (???), transparente Lotusblüten und warme Edelhölzer. Alles schön in einen Eimer Schmierseife einrühren und über Nacht ziehen lassen. Kinderspiel.

Ich weiß es nicht, aber es können nicht mehr als zweihundert Meter vom Haupteingang der Uni bis zur Straßenbahnhaltestelle sein. Eine gerade Strecke, ohne Hindernisse. Ich war vielleicht 20 Meter vom Eingang entfernt als ich letzten Mittwochabend gegen 8 meine Bahn kommen hörte, zu dieser Zeit, so glaube ich, fahren die Bahnen nur noch alle 15 Minuten, und ich wollte jetzt nicht warten, nicht jetzt und nicht hier, wollte nach Hause, nach Hause als bald als möglich. Zwischen Bahn hören und dem größten Sprint seit meinem letzten Jahr Schulsport vor mehr als zehn Jahren lagen nur instinktbestimmte Millisekunden. Während der ersten Sekunden, als ich da so rannte, kam meine Vernunft zurück (“Bin ich bescheuert, hier so zu rennen? Könntest doch schön beim Warten anderen Leuten beim Warten zusehen.”), aber auch mein Stolz und meine Scham waren präsent und waren stark, wollte all den Fußgängern zeigen, dass man diese Bahn nicht aufgeben darf! Diese Bahn gehört mir! Und so war es auch. Bekam die Bahn, trotz reduzierter Geschwindigkeit während der letzten Fünfzig Meter, um nicht den anderen in der Bahn den letzten Sauerstoff zu rauben und dort zusammenzubrechend noch zu röcheln, dass keiner jemals geglaubt hätte, dass diese Bahn noch kriegbar sei, aber ich das Unmögliche wahr gemacht hätte! In der Bahn dann, Atmung kontrollierend, ahnte ich, vor allem da ich so einen metallischen Geschmack im Mund hatte und mich den ganzen Tag schon grippig fühlte, dass das keine gute Idee war, diese Bahn nicht verloren zu geben.
Das war Mittwoch. Heute ist Sonntag und meine Oberschenkel schmerzen seit Donnerstag, der Mittelzeh meines linken Fußes ist bestimmt gebrochen und ich bin so richtig erkältet. Mehr und mehr kann ich Winston Churchills No-Sports-Credo nachempfinden. Oder man macht es richtig und nicht wie ich.

Ich kannte mal jemanden, der hieß mit Nachnamen Meise, für den muss der Winter die wahre Wonne sein, wo für ihn überall diese leckeren Knödel aufgehängt werden. Ich glaube man hängt Meisenknödel nicht primär deshalb auf, um den Meisen und andere Vögel, die unter 3 Gramm wiegen, etwas Gutes zu tun, sondern um die größeren Vögel zu ärgern, allen voran die armen Amseln, und das, obwohl die abends so schöne Vogelgeräusche machen. Man muss die Amseln für ihren Wagemut ehren, jeder Versuch die so nahen Körner im Fett zu schnabulieren endet in einer Beinahekatastophe, die so gerade noch kurz vor der Erde abgefangen werden kann. Gut, dass Amseln nicht mit Benzin laufen, sonst würden die ständig explodieren und ich mich dauernd erschrecken.

Ich geb’s zu. Ich habe Superbad jetzt zum dritten mal in einer Woche gesehen. Einmal davon mit Kommentar. Alles, wirklich alles paßt, nichts ist, trotz totaler Vulgarität und Albernheit, dümmlich, peinlich oder niederträchtig, sondern wirklich lustig, ja sogar anständig. Michael Cera ist fantastisch! Die anderen beiden Jungs ebenfalls. Die Cops sind so, wie sie wahrscheinlich sein würden, wenn sie damit durchkämen. Ich kenne aus dem Genre der Teenie-Boner-Komödie des letzten Jahrzehnts eigentlich nur American Pie, der im Vergleich hierzu überhaupt nichts kann.

Das hat mich so begeistert, dass ich jetzt auch Knocked Up und die Judd-Apatow-Serien Freaks and Geeks und Undeclared sehen möchte, die ich alle noch nicht kenne. Freaks and Geeks kommt zufälligerweise momentan auf EinsFestival unter dem Titel “Voll daneben, voll im Leben”, aber da ich jede Synchronisation ablehne, kann ich das dort nicht sehen.

Officer Michaels: I often go to sleep and dream of waking up in a world where everything is covered in semen.
Officer Slater: I mean, who doesn’t?
Officer Michaels: It’d be nice. Like that crime scene today. If the man had ejaculated and then punched you in the face, we’d have a real good shot at catching him. Just punched in the face, no semen.
Officer Slater: No semen.
Officer Michaels: Story of my life.

Barton Fink

Nach vielen Jahren wieder den großen Barton Fink gesehen. Ich glaube mittlerweile, dass man sich gar nicht mit langen, komplizierten Deutungen darüber aufhalten muss, was hier echt und was nicht echt ist. Denn ich glaube, dass nichts, ab dem Moment wo Barton in Hollywood ankommt, wo sich das Meer an dem Felsen bricht, echt ist. Alles ist ein großer, zugegeben ziemlich kohärenter, und erst zum Schluss hin immer bizarrer werdender Angsttraum des New Yorker Intellektuellen, der einen Autorenvertrag in Hollywood angeboten bekommt, und dort nichts als eine jegliche Kreativität und Individualität zerstörende Hölle erlebt. Dieses Hollywood besteht aus nichts weiter als Profitgier, die sich aber dennoch rühmt Kino für den kleinen Mann zu machen, für den und aus dem heraus Barton schon sein Theater machen wollte, aber nicht um seine basalen Instinkte zu befriedigen, sondern um seine Geschichten zu erzählen und um ihn zu erziehen. In seinem Traum wird sein Held, der an William Faulkner modellierte Autor Mayhew, als Betrüger und Trinker enttarnt, Barton hat, außer Höllennazi John Goodman, keine Freunde, obwohl er sich in New York vor Verehrern nicht retten konnte und Liebe wird, sobald er sie erfährt, umgehend wieder zerstört.

Vielleicht ist Hollywood hier auch als echt zu sehen, spiegelt die Erfahrungen der jungen Coen-Brüder wieder und alles wird damm noch symbolisch und surrealistisch verstärkt. Barton wird in einem kranken Hollywood immer kränker.

Ich habe eben “4 months” gegoogelt, da ich was über den rumänischen Abtreibungsfilm gesucht habe, und da hat Google mir gezeigt wie gut es schon rechnen kann und mir stolz präsentiert:

4 months = 121.7474 days

Google soll mich mal anrufen und sagen welche vier Monate addiert diese Zahl ergeben. Nein, Google ist schon schlau und hat nicht einfach 365 durch 3 geteilt, sondern ein astronomisches Jahr durch 3. Toll.

Quel maledetto treno blindato

Wie kann man ein Filmtagebuch besser beginnen als mit totalem Trash? Vermutlich auf mehrere Arten. Ich kann aber jetzt nicht anders, da dass der erste Film war, den ich seit meinem Plan hier Zeugnis abzulegen, gesehen habe. Wer ist schuld? Quentin Tarantino ist nicht schuld. Schuld ist Florian, der aus dem Wissen heraus, dass der Quentin diesen Film jetzt neu verfilmt, geschlossen hat, ihn im Filmclub zeigen zu müssen. Florian hat dann krank gefehlt.
In diesem Film bekommt im Frankreich des Jahres 1944 der titelgebende Haufen amerikanischer Deserteure, Diebe und Mörder während ihres Transports zur Erschießung bei einem deutschen Angriff die Gelegenheit zu fliehen, tut dies, will sich in die Schweiz absetzen, erlebt allerhand schießwütige Abenteuer, bringt aus Versehen eine als deutsche Soldaten verkleidete amerikanische Spezialeinheit um, gibt sich dann als diese aus und rettet gemeinsam mit der französischen Ressistance den Tag. Klingt super, ist aber nicht viel besser umgesetzt als eine A-Team-Doppelfolge. Amüsant ist es jedoch allemal. Zumindest das hat er vielen anderen Kriegsfilmen voraus. Nur Seewolf Harmstorf, als deutscher Deserteur Adolf, zerdrückt leider keine Kartoffel. War das nicht sein Alleinstellungsmerkmal?

Wenn ich nicht ich, sondern jemand ganz anderes und jetzt nicht jetzt, sondern vor 30 Jahren wäre, so hätte ich eventuell die Filmemacher wegen Verunglimpfung der Wehrmacht angezeigt und vermutlich recht bekommen. Kein Wunder, dass die den Krieg verloren haben, die sind einfacher zu töten als die dicken Mädchen beim Völkerball abzuwerfen. Die muss man nur mal kurz an der Schulter berühren und schon sind sie hin. Tolle Herrenrasse ist das.

Gelernt habe ich, dass man die richtige Wahl trifft, wenn man sich mit Deserteuren, Dieben und Mördern umgibt, denn wenn die Scheiße mal den Ventilator trifft, dann wissen die worauf es ankommt! Nämlich den Bleistift in den Selbstzerstörungsmechnismus der V2 zu stecken, um ihn zu stoppen, und ihn dann selbstlos wieder zu entfernen, um das Ende des Films zu retten.

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