Juli 2007


Was sollen die denn sagen, wenn Heino jetzt auf die Barrikaden steigt, weil eine Blasmusikschau aus dem Programm fällt? Soweit ich weiß, hatten die noch nie eine Sendung im ö/r-Rundfunk mit Musik, die Ihnen gefällt, und schon gar nicht zur besten Sendezeit. Der einzige Grund, dass bisher keiner gegen volkstümliche Musik im Fernsehen auf die Straße ging, ist, ach, dass es so egal ist, was im Fernsehen läuft, es wird niemals gut werden. Für mich hat der Tag eindeutig zuwenig Studen, für Fernsehprogrammmacher dürfte er 20 zuviel haben, um es halbwegs anständig hinbekommen zu können.
Früher, da war das Fernsehprogramm auch schrecklich, aber als Kind in den Ferien wurde man wenigstens, wenn man seine Verwandten auf dem Land besucht hat, und das einzige Kind dort war, zur Mittagsstunde nicht so schrill in frühen Wahnsinn gestürzt, wie heute, sondern man schaute sich, jeden Mittag, die meditative zweistündige Zweikanaltonwerbesendung an, nachdem die drei Stunden Widerholung am Morgen, die Rund- und Presseschau durch waren. Das waren vielleicht 20 Minuten, die sich ständig wiederholten, da spieleten zum Beispiel 2 Leute Tischtennis, und man konnte sich an der Mono-Glotze richtig vorstellen, wie super das wohl in Stereo klingen musste. Das wollte ich vor meinem Tod noch erleben: Tischtennis in Stereo. Manchmal habe ich aber auch nur auf dem Dritten das Testbild gesehen. Das war echtes Mitmach- und Phantasieförderfernsehen, wenn man die Augen zusammenkniff und den Kopf bewegte, konnte man die tollsten Sachen sehen, und wenn man um den Fernseher rumlief schien sich der konstante Pfeifton zu verändern, so wurden der Doppler-Effekt und ich miteinander bekannt.
Ich hoffe nur, dass meine Eltern die 2 Wochen im Jahr, in denen ich abgeschoben wurde, vernünftiger genutzt haben.

Es gibt zu Kanye Wests “Can’t tell me nothin’” ein alternatives Video mit Zach Galifianakis und dem großen Will Oldham. Super. Wenn auch nicht unbedingt meine Musik.

http://www.kanyewest.com/?content=video_cant_tell_alt

Ein Riesenspaß.
Ein Fest des Lebens.

Ich war am Wochenende auf einer sehr sehr schönen Hochzeit in Berlin. Während der standesamtlich Prozedur brandete, abzüglich der Beifallsbekundungen für zwei musizierende Damen, wenn ich mich recht erinnere, bestimmt dreimal ekstatisch euphorisierter Applaus auf. Dreimal. Ich führte das auf die Lebensfreude und Begeisterungsfähigkeit der zahlreich anwesenden jungen Künstler und sonstiger Kreativer zurück, doch gefehlt, die Stadt ist es, denn eben lese ich diesen kleinen kulturgeschichtlichen Atikel über den Applaus im Tagesspiegel und siehe, Berlin wird vom Autor, der sicher auf der ganzen Welt Applaus erforscht hat, als die Welthauptstadt des Klatschens empfunden. Dass es Bielefeld nicht ist, hätte ich auch gewußt, wir sind da nicht so, nehmen uns zu jedem Klatschanlass das richtige Klatschmaß vor, klatschen genauso oft und laut wie nötig mit der genau richtigen Frequenz. Jedes einzelne Klatschgeräusch gleich in Lautstärke und Ton. Abrubt wird fallengelassen und zufrieden stellt man fest, dass man ja bloß nicht fanatisch werden wollte und es auch nicht geworden ist. Herzlichen Dank. Nächstes Stück, bitte. So mache ich das zumindest. Naja. In Leverkusen habe ich mir auch die Hände wundgeklatscht. Fürn Ernst. Für Arminia. Für mich.
Und bei einer so schönen Hochzeit. Da darf man ja auch mal euphorisiert sein.

Ich habe arena verflucht und verwünscht und es hat gewirkt. Ich habe die natürlich nur aus selbstsüchtigen Gründen zum Teufel gewünscht, denn die Transponder von arena hier im Kabel waren auf einer Frequenz, die mir zu hoch war. Ich bin das letzte Glied einer Verteilkette im Haus und für arena hat es dann nicht mehr gereicht, weshalb ich immer mit dem Dekoder in ein anderes Zimmer gehen musste. Traumatisch. Fast genauso schrecklich war die Smartkartenwechselei, aber ich sehe es schon kommen, auch wenn jetzt wieder die Buli bei Premiere kommt und auch arena-Kunden dort schauen werden, muss ich immer noch die Karten nach Bedarf wechseln, was besonders super ist, wenn gleichzeitig in England und Deutschland gespielt wird und man nicht einfach so umschalten kann. Ich freue mich aber trotzdem sehr wieder “barrierefrei” den ganzen süßen Quatsch schauen zu können.

David Hockney hat keinen Bock auf ein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden in England, obwohl er sowieso nur zu Hause rumhängt. Aber noch viel mehr glaubt er, außer dass so ein Rauchverbot ganz offensichtlich ein Zeichen von Totalitarismus sein muss, dass dieses Rauchverbot, wie schon in Amerika, so sagt er, dazu führen wird, dass sich die unglücklichen Nichtmehrdrinnenraucher mit Schmerzmitteln und Antidepressiva vollpumpen, um den Verlust zu kompensieren. Dieser Zusammenhang klingt nicht plausibel und ist bestimmt auch nicht empirisch belegt. Meine kleine Gesundheitsaufassung widerspricht dem auch. Ich denke, dass der Gebrauch von Antidepressiva und starken Schmerzmitteln dann zunimmt, wenn man meint diese für ein gutes oder besseres Leben zu benötigen, weil es einem nicht gut geht, weil die anderen die auch nehmen oder weil der Arzt das verordnet, inwieweit das vernünftig ist oder nicht spielt keine Rolle. Und ich bin der Meinung, dass ein gesünderer Lebensstil, und nicht mehr oder weniger zu rauchen wird gerne als eine Maßnahme hin zu einem gesünderen Leben angesehen, und die Erfahrung bestätigt das, eher dazu führt, dass man sich besser fühlt. Außer David Hockney natürlich. Warum sollte also dann die Aufgabe einer nicht-stimmungsaufhellenden Substanz, und Nikotin ist nicht besonders stimmungsaufhellend, es ist vielleicht suchtbefriedigend und wird so mit stimmungsaufhellend verwechselt, dazu führen ein stärkeres Verlangen nach egalmachender Medikation zu generieren? Ich fürchte Rauchen bzw. Nichtrauchen und Medikamentenabuses haben keine starken kausalen Zusammenhänge.

Es mag auch alles sein, dass es David Hockney als Raucher besser geht, dass es auch Raucher gibt die über Neunzig geworden sind, dass militantes Nichtrauchertum genußfeindlich ist … jajaja. Es ändert aber nichts daran, dass starke Rauche im Durchschnitt wesentlich jünger sterbern, öfter krank sind, schlecht aussehen und, das behaupte ich einfach mal, generell unzufriedener sind, sie sehen jedenfalls so aus. Und das allerdringendste Pro-Drinnenrauchverbots-Argument ist die teilweise unfassbar schlechte Ventilation in Diskotheken und Kneipen, die, auch eine flott aus der Hüfte geschossen Behauptung, aus einem Nichtraucher für die Zeit des Aufenthaltes einen zumindest mittelschweren Raucher macht. Ich bekomme nach ein paar Stunden in einer verrauchten Kneipe Kopfschmerzen und fühle mich matt, egal ob ich selber geraucht habe oder nicht, ein Sommerabend an der frischen Luft, mit nicht gerade wenig Bier und gerne auch Rauch, kann mir den nächtsten Tag nicht verderben, und wenn es mir so geht, glaube ich, geht es manch anderem nicht viel anders. Rauchen als Genußmittel ist ganz große Kultur, aber verrauchte Räume verstärken die Gefahren stark und bringen kein mehr an Genuß. Also weiterhin. Ab. Vor die Tür.

Pregnant teenagers are taking up smoking in the hope of having smaller babies so that childbirth is less painful, a Government minister warned.


Hier der Artikel

Mal ehrlich. Warum wird sich soviel über die Selbstfestigung der Position der katholischen Kirche beschwert? Ist das nicht das, was die katholische, was alle Kirchen tun? Zu behaupten den einzig wahren Weg zur Glückseligkeit in Ewigkeit zu kennen? Wenn man solche endgüligen Dinge, die keiner weiteren Begründung bedürfen als die, dass es eben so ist, anbietet, kann man, wenn man neue Mitglieder gewinnen möchte, nicht sagen, dass es bei uns gutes, ewiges Leben gibt, aber bei den netten Nachbarn, die einem nicht ständig alles verbieten und auch viel öfter mit der Klampfe ums Lagerfeuer sitzen und für alles Verständnis haben … genauso.

Ich muss aber auch sagen, dass mir die ganze Ökumene suspekt ist. Warum zum Teufel, huch, ist es ein erstrebenswertes Ziel christlicher Religionsgemeinschaften sich an die ehemals verhassten anderen christlichen Glaubensgemeinschaften anzunähern? Warum braucht es immer noch den Herrn Jesus als gemeinsamen Nenner? Warum sich nicht an alle, ob Christ ob anders gläubig oder nicht gläubig, annähern wollen, wenn man so oder so keine erklärten Feinde mehr hat, wenn man vorgeblich das gesamte, zumindest menschliche, Leben achtet und für schützenswert hält?

Ich habe eben gelernt, wie ich, zumindest ab 1900, den Wochentag jedes beliebigen Datums bestimmen kann. Das ja wohl super!
Mein Vater hatte Anfang der 80er einen Taschenrechner mit Radio, der das auch konnte, mein Vater fand das damals ganz toll, so toll, wie ich mich jetzt auch finde.

Nachdem ich in letzter Zeit, unterwegs, im Liegestuhl oder auch mal auf dem Sofa, mehrere Vorlesungsreihen der Teaching Company durchgehört und gesehen habe, möchte ich, dass es sowas auch auf Deutsch gibt. Natürlich kostenfrei. Denn bezahlt werden unsere Wissenschaftler ja schon vom Staat, weshalb sich eigentlich keine private Firma in dieser Form an Ihnen bereichern sollte, vor allem aber nicht, weil deutlich weniger Leute dafür bezahlten, als es vermutlich gerne nutzen würden.
Die Bundeszentrale für politische Bildung könnte die Organisation doch übernehmen, die gibt es ja schon.
Ich nehme auch gerne allgemeinverständliche Vorlesungsreihen im ö/r-Sparten-Fernsehen, Platz und Zeit genug gibt es ja, und kosten kann Programm eigentlich nicht weniger, doch bisher gibt es immer nur den netten Prof. Lesch, der aber nur über Astronomie redet, und das auch noch sehr spät. Ihr habt doch einen Bildungsauftrag.

In diesem Zusammenhang muss ich auch sagen, dass mir auf paradoxe Weise die Urheberrechtsnovelle gefällt, denn sie wird die Wissenschaft letztlich zwingen ihre Publikationsweisen mehr und mehr auf Open Access umzustellen, wovon wirklich alle, außer den Fachverlagen, die oft nichts weiter machen als drucken und verschicken, profitieren würden. Es steht am Ende des Spiegel-Artikels über die Kosten wissenschaftlicher Publikationen, dass Open Access ja eine feine Sache wäre, aber manche darauf angewiesen sind in Zeitschriften wie “Nature” oder “Science” zu publizieren. Das höre ich auch nicht zum ersten mal. Doch erstens ist es eine große Ehre in einer dieser Zeitschriften publizieren zu dürfen, und keine Pflichtaufgabe und zweitens wäre es wohl wirklich kein Problem nur eben diese zwei zu abbonieren. Ich könnte mir das leisten. Das Problem sind die aberwitzig teuren wissenschaftlichen Spezialzeitschriften. Und selbst wenn man noch auf bestimmte Publikationsformen angwiesen sein sollte, wer außer den Wissenschaftlern selber könnte dies ändern?

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