Mi 28. Mrz 2007
Mit dem fantastischen Wetter in diesen Tagen, denn ich werde nicht behaupten, dass mir Sonnenschein nicht auch sehr gut gefällt, frage ich mich, wieso eigentlich regnerisches Wetter generell als “schlechtes” Wetter empfunden wird? Warum viele Menschen tatsächlich ihre Gefühlslage davon abhängig zu machen scheinen, ob sie im Freien frühstücken können oder nicht?
Sicher, viele Menschen mit niedrigem Blutdruck haben eine besonders schwere Aufgabe vor sich, wenn es heißt weiter zu leben und nicht laufend ohnmächtig zu werden, sollte der Lufdruck mal unter 950 Hektopascal fallen. Doch spätestens in unserer Sozialisation während der “Sendung mit der Maus”-Phase oder gerne auch in der “Löwenzahn”-Zeit sollten wir gelernt haben, dass Pflanzen zum Leben neben CO2 und Licht noch Wasser brauchen, und ein paar Minearalien und sonstige Spurenelemente, die sie aber auch aus Brasuetabletten bekommen können. Die Pflanzen benötigen also für die grundsätzlichsten Lebenspreozesse Licht, und hätten viel mehr Grund sich zu beschweren, wenn nicht regelmäßig die Sonne scheint, als jede Sprechstundenhilfe, Empfangsdame oder wer auch immer meint sich als erstes über das Wetter beschweren zu müssen, die aber auch mit ihrer lichtmangelinduzierten Ganzjahresdepression das vollführen kann, was man biologisch als Leben bezeichnet. Und was sollen die Leute in Island erst sagen?
Das Problem mit der globalen Klimaerwärmung ist ja nicht, dass es etwas wärmer wird, sondern dass es in großen Gebieten der Welt zu ausgedehnten Dürreperioden kommen wird … und Dürren sind eher lebensfeindlich als ein Anlass für einen Cocktail im Strandkorb.
Ich möchte einfach, dass Regen, Schnee, Hagel und Graupelschauer nicht als Schikane, Ungerechtigkeit oder notwendiges Übel empfunden werden, sondern dass man sich auch über das Wasser freut, welches uns erst das Leben möglich macht, die dichten Wälder und die satten Wiesen, ich mag satte Wiesen und ich mag, wie das klingt. Und ich freue mich schon lange, wenn ich ohne Schuldgefühle den ganzen Sonntag auf dem Sofa oder vor dem Computer verbringen kann, ohne von ein bißchen Sonnenschein genötigt zu werden nach draußen zu gehen. Ich gehe schon auch gerne raus. Aber nicht immer.
