Do 29. Mrz 2007
Als Nichtraucher weiß man ja gar nicht wohin mit dem vielen Geld, also spiele ich Lotto. Meine größte Freude beim Lottospielen ist, da man ja sowieso nicht gewinnt, oder wenn doch mal, es schon spätestens am Sonntag weiß, was sehr ärgerlich ist, weil man da nur in der Tankstelle mit seinem neuen Reichtum prassen kann, egal, das Schönste ist es jedenfalls, wenn am Montag per E-Mail die Lottoquoten reinkommen, ich halt das immer kaum aus, wobei mich natürlich nur eine Position interessiert: Welche Zahl vor dem “x” der Gewinnklasse 1 steht, dem heiligen Jackpot. Alles andere als eine Null ist eine Riesenenttäuschung. Dann fühle ich mich betrogen, habe ich doch vorher noch geglaubt, dass mein Jackpot noch eine Woche Zeit braucht, um endlich zu mir zu kommen, sich noch nicht vollends entschieden hat, aber das Versprechen ist da, er wird sicher kommen. Eine Zahl vor dem “x” ist ein Stich ins Herz, unmittelbar Empfinden der schlimmsten Eifersucht auf eine, wahrscheinlich im Durchschnitt 75-jährige, Spielgemeinschaft aus Gelsenkirchen, die keine Wünsche mehr hat, außer nicht sofort sterben zu müssen.
Aber eine Null! Eine Null ist Hoffnung! Gibt neuen Lebensmut! Der Jackpot steigt um vielleicht noch mal zwei Millionen, und dafür warte ich gerne, sehr gerne, noch eine Woche. Und es ist eine ganz seltsame Schadenfreude, dass nicht nur ich, sondern alle anderen auch nicht, nicht den Jackpot, denn nur um den geht es, gewonnen haben. Dies ist, denke ich, eine gesellschaftlich durch und durch vertretbare und gesunde Form der Schadenfreude, da man ja selber auch der Leidtragende ist. Und das Leid wirklich erträglich ist.
Gleichzeitig profitiert man natürlich auch, denn je mehr Menschen bei der nächsten Ziehung mehr spielen, desto mehr Geld landet letztlich da, wo auch immer das überschüssige Geld landet, und das nutzt bestimmt allen. Wo geht das Geld eigentlich hin? Wieder was, was man nachschauen könnte, aber wieder keine Lust.
