Sa 20. Jan 2007
Ich wäre gern Zeuge eines Streitgespräches zwischen Antonin Artaud und Herbert Grönemeyer, die sich über die Grundverfaßtheit der Natur austauschen. Auf der einen Seite, der psychopathische Megalomaniaman Artaud, der die Grausamkeit zum Grundprinzip aller Natur erklärt und zu welcher er die Menschen durch einen Theaterbesuch in einer seiner Multimediaschauen zurückführen zu können glaubte … denn diese ursprüngliche Grausamkeit war für ihn in reiner Form wohl immer noch erstrebenswerter als ein halbgares Sozialwesen, natürlich. Und zum anderen der deutsche Lyriker Nummer Eins, für den die Erde, vor allem im Gegensatz zu uns, die wir wohl nicht Teil der Erde sind, "freundlich, freundlich" ist. Die ganze Stophe ist ziemlich super:
„Welche Armee ist heilig / Du glaubst nicht besser als ich / Bibel ist nicht zum einigeln, / die Erde ist unsere Pflicht / Sie ist freundlich, freundlich – / wir leider nicht.“
Ich habe das Lied mangels Radiobeschallung noch nicht gehört, befürchte aber, dass das nicht so bleiben wird, aber da sowohl die FAZ, als auch die Welt gestern längere Feuilletonartikel dazu hatten, muss das wieder ein kulturelles Großereignis ersten Ranges sein.
In der Sache "Natur: freundlich oder grausam?" bin ich der Meinung, dass es ziemlich beknackt ist, allem im Universum unsere Moralkategorien aufzwingen zu wollen. Mir ganz persönlich sind niedliche Pflanzenfresser auch unendlich sympathischer als ewig halbstarke Löwen, vor allem wohl weil sich meine Angst vor Kaninchen in Grenzen hält, aber das ist nicht so entscheidend wie ich das bewerte und ändert nichts daran, wie es ist.
Mein Lieblingskommentar aus dem FAZ-Artikel:
"Mit einem Wort: ein schwachbrüstiger Song mit bombastischem Arrangement, das an Nino de Angelos „Jenseits von Eden“ denken lässt, und ein Text wie aus dem Brainstorming einer Reli-AG der Regenbogen-Ära: Wir haben die „freundliche“ Erde nur geliehen – von unseren noch viel freundlicheren, zum Glück ja bald die Macht ergreifenden Kindern wahrscheinlich."
