Januar 2007


Nach fünf Tagen in London fühle ich mich gerade gar nicht sehr sehr gut. Das ist einfach keine gute Mischung, die Gewohnheit der Engländer des ab mittags alle Zwischenmahlzeiten in Bier einzunehmen und die mitteleuropäische Tradition bis in den frühen Morgen hinein zu trinken, so dass man einschläft. Und alkohlgetränkt ruht man dann ja auch nicht so ganz so wie es nicht-lebensverkürzend wäre. Ich bin da einfach aus der Übung, aber viel lustig war’s.
Bonnie ‘Prince’ Billy am Samstag im feinen Rahmen der Queen Elizabeth Hall aus der zweiten Reihe verfolgt … ganz groß. Und im März geht’s weiter.

Dass die Dänen die allerglücklichsten aller Europäer sind habe ich auch schon gehört und mich immer gefragt warum. Warum im Vergleich bsw. zu den Schweden mit ihren feinen Autos und weltweit den Massenstandard für Inneneinrichtung und Bekleidung aller Nicht-Reichen setzenden supersympathischen Unternehmen und den Schwedinnen, oder den Norwegern mit ihren Fjorden und dem vielen Öl oder den Finnen, ok, dass die Finnen nicht so glücklich sind ist keine große Überraschung.
Jedenfalls ist jetzt herausgefunden worden, dass dieses große Glück hauptsächlich vom, mir damals mißgönnten und heute als märchenhaft empfunden, EM-Triumph von 1992 und einer gesunden niedrigen Erwartungshaltung herrührt. Diese niedrige Erwartungshaltung teile ich, aber bei mir wird sie, im Gegensatz zu den Dänen, nur selten übertroffen … Tschüß Tommi von Heesen!

1992 has had a lasting impact. This victory arguably provided the biggest boost to the Danish psyche since the protracted history of Danish setbacks began with defeat in England in 1066, followed by the loss of Sweden, Norway, Northern Germany, the Danish West Indies, and Iceland. The satisfaction of the Danes, however, began well before 1992, albeit at a more moderate level. The key factor that explains this and that differentiates Danes from Swedes and Finns seems to be that Danes have consistently low (and indubitably realistic) expectations for the year to come. Year after year they are pleasantly surprised to find that not everything is getting more rotten in the state of Denmark.

Warum Dänemark aber, dem Vernehmen nach, einen ungewöhnlich hohen Anteil an dumpfen Rechtsradikalen hat kann ich zumindest damit nicht erklären, vermutlich ist es wie in unserem Osten, dass die relative Abwesenheit von Fremden Hass und Angst besonders schüren.

Da bekomme ich hier auch mal die Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass ich dänische Komödien meist total bescheuert finde. Im Gegensatz zu dem Kino eines von Trier, Vinterberg oder Boe, die alle großartige Filme machen.

(via boing boing)

Was ich mich schon damit abgequält habe eine ordentliche Liste meiner Bücher zu erstellen, und doch ist diese nicht annähernd vollständig, es macht einfach keinen Spaß zu katalogiseren. Doch damit ist jetzt Schluß, denn ich habe leider jetzt erst von LibaryThing gehört, wo man superschnell und einach einen Katalog seiner Bücher führen kann. Neue Bücher werden einfach per ISBN oder Titelsuche hinzugefügt und man kann aus verschieden Suchkatalogen wählen. Ist allerdings nur für bis zu 200 Büchern kostenlos und eine "Lifetime"-Mitgliedschaft kostet 25 Dollaris und die werde ich mir wohl gönnen. Ich habe eben in anderthalb Stunden gut 100 Bücher eingegeben, zwar immer die ISBN aus der Heimdatenbank kopiert, aber immerhin. Außerdem hat es bei mir auch schon mal gebrannt, und so brennt wenigstens die Bücherliste nicht, dann gibt man der Versicherung die Liste die einen Azubi losschicken, der mir alle meine Bücher neu kauft.

Ich wäre gern Zeuge eines Streitgespräches zwischen Antonin Artaud und Herbert Grönemeyer, die sich über die Grundverfaßtheit der Natur austauschen. Auf der einen Seite, der psychopathische Megalomaniaman Artaud, der die Grausamkeit zum Grundprinzip aller Natur erklärt und zu welcher er die Menschen durch einen Theaterbesuch in einer seiner Multimediaschauen zurückführen zu können glaubte … denn diese ursprüngliche Grausamkeit war für ihn in reiner Form wohl immer noch erstrebenswerter als ein halbgares Sozialwesen, natürlich. Und zum anderen der deutsche Lyriker Nummer Eins, für den die Erde, vor allem im Gegensatz zu uns, die wir wohl nicht Teil der Erde sind, "freundlich, freundlich" ist. Die ganze Stophe ist ziemlich super:

„Welche Armee ist heilig / Du glaubst nicht besser als ich / Bibel ist nicht zum einigeln, / die Erde ist unsere Pflicht / Sie ist freundlich, freundlich – / wir leider nicht.“

Ich habe das Lied mangels Radiobeschallung noch nicht gehört, befürchte aber, dass das nicht so bleiben wird, aber da sowohl die FAZ, als auch die Welt gestern längere Feuilletonartikel dazu hatten, muss das wieder ein kulturelles Großereignis ersten Ranges sein.

In der Sache "Natur: freundlich oder grausam?" bin ich der Meinung, dass es ziemlich beknackt ist, allem im Universum unsere Moralkategorien aufzwingen zu wollen. Mir ganz persönlich sind niedliche Pflanzenfresser auch unendlich sympathischer als ewig halbstarke Löwen, vor allem wohl weil sich meine Angst vor Kaninchen in Grenzen hält, aber das ist nicht so entscheidend wie ich das bewerte und ändert nichts daran, wie es ist.

Mein Lieblingskommentar aus dem FAZ-Artikel:

"Mit einem Wort: ein schwachbrüstiger Song mit bombastischem Arrangement, das an Nino de Angelos „Jenseits von Eden“ denken lässt, und ein Text wie aus dem Brainstorming einer Reli-AG der Regenbogen-Ära: Wir haben die „freundliche“ Erde nur geliehen – von unseren noch viel freundlicheren, zum Glück ja bald die Macht ergreifenden Kindern wahrscheinlich."

Ich zitiere einfach mal frei weg:

Nun kurz zum Wetter: Einst belegte ich während meines Studiums der Physischen Geographie auch drei Semester Klimageschichte bei den Meteorologen. Hui! Da war allezeit ein auf und ab der Wetter, und das alles hat eine große, absolute Verursacherin: die Sonne. Mit oder ohne Menschlein. Devon, Kambrium, arme Saurier, Spitzenweine aus England, kleine Eiszeit, Vulkane, Waldbrände und Feuerstellen. Heute nun bekümmert sich der abendländische Mensch mit großer Schuldsucht und sehr humanzentriert um seine Klimaeinflüsse, aus vermutlich zwei Gründen: Einmal wünscht er, der Mensch, sehr, daß alles, die Erde und die Wetter, sich um ihn und seine Bedürfnisse und sogar seine Moral drehten. Warum aber soll es diesen Erdball bekümmern, ob er, der Erdball, sich menschgerecht dreht und zum Menschenwohle sich temperiert? Dann wiederum und andererseits wünscht der Mensch Sensation und Katastrophe, den Schauer und Grusel, aber am Fernsehen, wo ein jeder hofft, es möge ihm kein Ziegel auf den Kopf wehen, es möge aber bitte doch jemandem, ja etlichen armen Anderen ein bißchen Ziegel und Baum auf den Kopf donnern und ein Stück Sylt wegreißen, das sollte schon sein! Das darf schon alles richtig heftig leid tun! Da ham wa ne Sondersendung! Gibt aber noch einen dritten Grund: Die ganz Gewieften, die Gerechtigkeitsschlingel, die Weltverbesserer und ?retter, die öffnen schon ihre Konto-, Spenden- und Steuerschlünde, nun nicht nur für Ökoscherflein, sondern jetzt auch für extranotwendigste Klimaschutzdonation. Und dann erst die vielen schönen Verbote, Gesetze und Gutgemeintheiten! Da ham wa dann ne gut beheizte Planstelle!

Die ganze Kolumne hier.

Hier mal ein schönes Beispiel für eine ziemlich launische Windböe, scheinbar aus dem Nichts, in einem der nächsten WM-Stadien.

(via American Arena)

Aber ehrlich, für mich ist so ein Mega-Multitouchscreen erst brauchbar, wenn ich da volle Suppe drauf einprügeln kann … da würde ich gleich viel lieber am Computer arbeiten. Immerhin bekommt man so mal ein bißchen mehr Bewegung, da sollten die Krankenkassen schauen, ob sie diese Sachen nicht fördern sollten.

Schön wird die Zukunft mit diesen Monitorgrößen: Ich wollte immer schon den Kopf beim Lesen bewegen müssen, da wird Lesen zum Tennismatch!

Es ist doch einfach nur geil!



Mehr hier

Gibt es im toyVault. Unter anderem den Superhero-Cthulhu:




Am besten ist natürlich das Nekronomikonkissen:



(via boing boing)

Gerhard Matzig schreibt heute in der SZ zur Kölner Möbelmesse:

"Pascal hatte schon recht: Das Unglück der Welt rührt daher, dass wir nicht still in unseren Zimmern bleiben. Einige Gründe, warum wir dort nicht bleiben, sind derzeit in Köln zu besichtigen."

Ich glaube die Gründe dafür waren und sind eher, dass zu Pascals Zeiten die PC-Heimarbeit noch in den Kinderschuhen steckte und zweitens das gegenteilige Geschlecht ja auch in seinem Zimmer sitzt und ganz schnell wäre so dann alles vorbei, und das wollen viele nicht.

(via Perlentaucher)


Wem außer Will Oldham würde man einen solchen Schnauz verzeihen? Ich, intolerant wie ich nun mal bin, sonst niemanden, aber Will will halt so und dann soll er eben auch … ist ja seine eigene Entscheidung, und wenn es der Sache dient, bitte.

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